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Das Engpass-Syndrom der Rotatorenmanschette

PHS = Periarthritis humeroscapularis = Schulterarmsyndrom, Impingementsyndrom = Einklemmung der Sehnenkappe)
Unter dem Begriff "PHS" werden allgemein Schulterschmerzen zusammengefasst, die eine Fülle von Ursachen haben können:


1. Supraspinatussyndrom (Einklemmung der Sehne des Supraspinatusmuskels unter dem Schulterdach)
2. Tendinosis calcarea (Kalkeinlagerung in die Sehnenfasern)
3. Ruptur der Rotatorenmanschette
4. Schultersteife
5. Tenosynovialitis bicipitalis (Entzündung der Sehnengleitgewebe der Bicepssehne)

Die Punkte 1 bis 3 sind am häufigsten für Beschwerden verantwortlich und sollen ausführlich besprochen werden.
Die Ruptur der Rotatorenmanschette stellt ein eigenes Kapital dar - siehe unten.
Das Engpass-Syndrom kann folgende Beschwerden machen:
Nachtschmerz, Schulterschmerz bei Überkopfbewegungen und beim Rückführen des Armes hinter den Rumpf, Schmerzausstrahlung in die Außenseite und zur Mitte des Oberarmes (Schmerzen beim Kämmen der Nackenhaare und beim Schürzebinden).

Wodurch entstehen nun diese Schmerzen?

Die Sehne der Rotatorenmanschette und der Schleimbeutel (zwischen der Sehne und dem Schulterdach) gleiten bei Aufwärtsbewegung des Oberarmes zwischen Oberarmkopf und Schulterdach.
Besteht nun ein hakenförmiges Schulterdach oder ein zu dickes Band (Ligamentum coracoacromiale) zwischen Schulterdach (Akromion) und Rabenschnabelfortsatz (Coracoid), so herrschen unzureichende Platzverhältnisse für das Durchgleiten der Sehne und des Schleimbeutels zwischen Oberarmkopf und Schulterdach vor.

Es kommt zum sogenannten Impingement, also zum Einklemmen der Weichteile zwischen Oberarmkopf einerseits und Schulterdach andererseits.
Bei jeder Bewegungsaktion kommt es nun zur Verletzung der Weichteile, zunächst mit Schwellung der Sehnenkappe, dann folgt Einblutung und Entzündung. Aus diesem akuten Zustand entsteht später die Verhärtung der Sehne (Fibrose). In der Folge können sich Kalkbröckel und auch größere Kalkdepots in der Sehne bilden. Kalkdepots können sich aber auch ohne das "Impingement", also bei normalen Platzverhältnissen, bilden. Die Ursache dafür ist unbekannt.

Das Endstadium tritt ein, wenn diese stark geschädigte Sehnenkappe infolge von normalen Alltagsbewegungen oder eines mehr oder weniger ausgeprägten Unfalles reißt - die Rotatorenmanschettenruptur ist eingetreten.

 

Einklemmung der Sehne und des Schleimbeutels beim Heben des Armes.

 

 

Behandlungsprinzip

Der arthroskopischen Operation geht eine systemisierte klinische Untersuchung voraus, weiters werden spezielle Röntgenbilder und eine Magnetresonanztomographie angefertigt.
Von einer schmerzhaften und nicht ganz risikofreien Arthrographie (Luft- und Kontrastmitteleinspritzung ins Gelenk) nehmen wir Abstand.
Das Ziel der arthroskopischen Operation ist es, der Sehnenkappe wieder Platz für die notwendigen Gleitvorgänge zu schaffen.
Zunächst wird mittels eins 5mm großen Hautschnittes das Schultergelenk selbst inspiziert, um etwaige Schäden im Gelenk feststellen und beheben zu können, z. B. eine Subluxation (teilweise Verrenkung).
Dann wird das Arthroskop in den Schleimbeutel unter das Schulterdach (Bursa subacromialis) eingeschoben (hierfür ist kein neuerlicher Hautschnitt erforderlich) und der Schleimbeutel (falls verkalkt oder entzündet) mittels eines Saugmessers (4,5 mm Durchmesser) entfernt. Dazu benötigt man einen zweiten 5 bis 8 mm großen Hautschnitt. Etwaige Kalkdepots werden ebenfalls entfernt.

Links: Vor der Operation bestand ein großes Kalkdepot in der Sehnenkappe.
Rechts: Zustand nach arthroskopischer Kalkentfernung.

Die eigentliche Erweiterung des Raumes für die Rotatorenmanschette findet an der Unterfläche des Schulterdaches statt. Hier wird mit einer Saugfräse Knochen abgefräst und damit das Schulterdach um etwa 5 bis 8 mm innen verdünnt (Arthroskopische subakromiale Dekompression = Akromioplastik). Das für die Funktion nicht notwendige Band (Ligamentum coracoacromiale) wird anschließend durchtrennt.
Durch diese Maßnahme wird einem weiteren Einklemmen der Sehnenkappe zuverlässig entgegengewirkt, der Schmerz lässt nach, und die Sehne kann sich erholen.


Nachbehandlung


Diese Operation, die zwar von Seiten des Operateurs sehr viel Erfahrung und Geduld erfordert, ist für den Patienten sehr wenig belastend und der vorher bestehende Schmerz verschwindet meist unmittelbar postoperativ, wie dies kaum bei einer anderen Operation der Fall ist. Daher kann sie bei idealen Verhältnissen ambulant oder ganz kurz stationär durchgeführt werden.
Am ersten Tag nach der Operation beginnt die passive, am dritten Tag die aktive Heilgymnastik.
Die volle Beweglichkeit wird in der Regel zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff erreicht.
In der Regel setzen wir eine Motorschiene (CPM) ein.

 

Arbeitsfähigkeit

Für Büroarbeiten nach drei bis fünf Tagen.
Für schwere körperliche Arbeit nach etwa sechs Wochen.

 

Sportfähigkeit

Schwimmen und nicht belastende Sportarten nach etwa drei Wochen.
Überkopfsport erst nach drei Monaten.


Ergebnisse


Gute Ergebnisse sind in 96 Prozent der Fälle zu erzielen, wobei die Patienten nach der Behandlung entweder völlig schmerzfrei oder schmerzarm auch bei Belastung sind. Auch bei diesen Operationen setzen wir radiochirurgische Sonden (OPES) mit Erfolg ein.


Komplikationen


Diese Operation hat eine äußerst geringe Komplikationsrate und ist sehr risikoarm. Theoretisch können sehr selten Infektionen oder Wundheilungsstörungen aufreten. Eventuell könnten die Schmerzen auch nach der OP bestehen bleiben oder sich sogar verstärken. Eventuell könnten bei der Operation Muskeln, Bänder oder Nerven verletzt werden. Im eigenen Krankengut sind bisher keine Komplikationen vorgekommen.


Links: Arthroskopische Sicht unter das Schulterdach: massives Impingement (Einklemmung) mit Zerschleissung der Beinhaut am Schulterdach.

Rechts: Nach der Glättung und nach der Abtragung des Knochenspornes (Acromioplastik) gibt es nun viel Platz für die Rotatorenmanschette und keine Einklemmung mehr. Die Schmerzen sind verschwunden.