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Künstliche Kniegelenke

(Endoprothesen)

 

Erklärtes Ziel unserer Abteilung ist es, durch die sogenannte Stufentherapie, also durch Maßnahmen, die in den Abschnitten Knorpelschäden, Arthrose und Umstellungsosteotomie beschrieben wurden, die Implantation von künstlichen Gelenken weitestgehend zu vermeiden.

Bei manchen Patienten helfen einige "Stufen" der Behandlung gar nicht, andere nur relativ kurzfristig (Monate oder wenige Jahre).
Bei diesen Patienten ist es manchmal doch notwendig, die letzte Stufe des Therapieplanes zu besteigen und einen Teil des Kniegelenkes durch eine Schlittenprothese oder das ganze Gelenk durch eine Totalendoprothese zu ersetzen.
Bei anderen Patienten, bei denen die Ausnützung der körpereigenen Reparationsmechanismen nicht mehr möglich ist (hohes Alter, geringes Aktivitätsniveau, lockerer Kapselbandapparat, starke Schmerzen) und die auf eine konservative Therapie nicht mehr ansprechen, erscheint es sinnvoll, einige operativ-arthroskopische Stufen zu überspringen (die ja mit zweimonatiger Entlastung einhergehen, was diese Patienten nicht durchführen können) und gleich eine Endoprothese zu implantieren.

Behandlungsprinzip
Oberschenkelseitig werden Metallteile implantiert, unterschenkelseitig Kunststoffteile, die ihrerseits wieder in Metallkomponenten eingebettet sind.
An der Kniescheibenrückfläche wird ebenfalls Kunststoff mit oder ohne Metallbett verwendet.
Die Implantatteile werden entweder durch Knochenzement oder bei guter Knochenqualität auch zementfrei verankert.

Seit einiger Zeit verwenden wir so genannte "custom made" Prothesen. Diese Implantate sind vornavigiert. Das bedeutet, dass unser Patient neben der üblichen Röntgenuntersuchung auch einer CT unterzogen wird. Diese Daten werden dann nach USA geschickt, wo uns die Firma Wright Medical innerhalb von 3 bis 4 Wochen eine Prothese und vor allem genaue Schnittblöcke anfertigt, die ausschließlich auf das betreffende Patientenknie passen. Damit läßt sich die Prothese im OP so präzise wie noch nie einsetzen und auch die OP Zeit verringert sich signifikant. Durch die verbesserte Einbaupräzision kommen Achsenfehler praktisch nicht mehr vor. Man muss auch den Röhrenknochen nicht mehr aufbohren, was den Blutverlust minimiert und die Gefahr von Fettembolien und Infektionen herabsetzt. Die OP kann schonender vorgenommen werden. Die bessere Passform verspricht ausserdem eine längere Haltbarkeit der Prothesen.

 

Um die Planung einer Knieendoprothese zu sehen klicken Sie bitte auf das nachfolgende pdf

(pdf)


Links und Rechts: Eine moderne Knieprothese mit sparsamer Knochenentfernung und Gleiflächenersatz. Wir setzen diese Knie Endoprothesen nun routinemäßig ein. Sie werden mit einem speziellen Computerprogramm genau für das betroffene Patientenknie angefertigt.

 


Die Knieprothesen werden jetzt "minimal invasiv" implantiert, das heißt die Schnittlänge ist nur noch halb so groß wie früher - also etwa nur noch 5 - 7 cm bei den Teilprothesen und etwa die doppelte Länge bei den Totalprothesen. Man durchschneidet also den inneren Oberschenkelmuskel nicht mehr.
Vorteile: Weniger Schmerzen, schnellere Gehfähigkeit und Rehabilitation.

Nachbehandlung
Das künstliche Gelenk sollte für zwei bis drei Wochen mit zwei Unterarmstützkrücken teilentlastet werden. Viele ältere Patienten können nicht entlasten, die Ergebnisse werden durch die sofortige Vollbelastung aber nicht schlechter.Die Patienten können am 1. postoperativen Tag im Bett sitzen und am 2. Tag mit Hilfe aufstehen.Danach erfolgt Heilgymnastik und Gangschulung.

In der Regel wird in einem Rehabilitationszentrum eine Steigerung der Gehfähigkeit und der Muskelleistung des operierten Beines für die Rückkehr ins Alltagsleben erzielt.

Arbeitsfähigkeit
Patienten, bei denen dies noch in Frage kommt, können leichte Arbeit nach sechs Wochen durchführen, schwere körperliche Tätigkeit sollte in Hinkunft vermieden werden.

 

Sportfähigkeit
Nach zwei bis vier Monaten kann mit Radfahren, Schwimmen, Golf und Skilanglauf begonnen werden. Belastende Sportarten sind im Gegensatz zu künstlichen Hüftgelenken auf Dauer zu meiden (Schifahren, Tennis etc.)
Viele Patienten fahren mit ihren künstlichen Kniegelenken trotzdem Schi und spielen Tennis. Wir bemerken dennoch keine Verminderung der Haltbarkeit. Es muss allerdings festgestellt werden, dass ein Sturz den Knochen mit der Prothese ausbrechen kann, was fatale Folgen hätte.

Ergebnisse
Die Ergebnisse von Knieendoprothesen sind mindestens genauso gut wie jene von künstlichen Hüftgelenken:
Etwa 90 Prozent der künstlichen Kniegelenke halten zehn Jahre. Die Verbesserung der Modelle und der Operationstechnik in den letzten Jahren waren rasant, so dass davon ausgegangen werden kann, dass neue Prothesentypen noch länger halten werden, zumal Kunststoffteile einen Austausch erleichtern.
95 Prozente der Patienten berichten über eine deutliche Schmerzabnahme oder sogar über Schmerzfreiheit.


Komplikationen
1. Die gefürchtetste, aber äußerst seltene Komplikation ist die Infektion.
2. In etwa 10 Prozent kommt es zu einer Auslockerung der Prothese (auf einen Zeitraum von zehn Jahren gesehen), die eine neuerliche Operation notwendig macht.
3. In etwa 10 Prozent kommt es zu oberflächlichen Beinvenenthrombosen und in 0,3 Prozent zu Embolien.
4. Weniger eine Komplikation als eine "Abnützung" des neuen Kunstgelenkes ist der Abrieb der Kunststoffteile, die aber operativ ausgetauscht werden können.
5. Eine seltene Komplikation ist die Arthrofibrose (Gelenkverschwartung), die zu einer Bewegungseinschränkung führt und operativ gelöst werden muss.
6. Selten kann bald nach der OP eine Luxation des operierten Kniegelenkes auftreten: Die Prothese renkt sich aus und kann nicht mehr bewegt werden. Benötigt eine operative Korrektur.


Weitere Beispiele für Knieendoprothesen


Eine Teilprothese. Nur der innere Knieanteil wird ersetzt. Setzen wir kaum noch ein.

Eine ältere Totalendoprothese mit Kniescheibenersatz. Die Kniescheibe ersetzen wir jetzt nur noch sehr selten.



 

 

Links: Hier wurde eine bestehende, anderswo eingesetze Prothese wegen Lockerung gewechselt und am Schienbein musste wegen Knochenverlust mit Knochenzement die Höhe aufgebaut werden.

Rechts: Ein so genanntes "Total Femur": Eine Lösung für verzweifelte Fälle, bei denen sonst keine Möglichkeit zum Erhalt der Gliedmaße besteht: Hier musste Hüfte (links im Bild) und Knie (in Bildmitte und rechts) in einer Sitzung komplett ersetzt werden. Die Verankerung erfolgt bis tief in den Unterschenkel hinein. Der Hüft- und Knieteil sind durch den Oberschenkelknochen hindurch fest miteinander verbunden. Es handelt sich um eine so genannte Tumorprothese.