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Umstellungsosteotomie

(Achsenkorrektur bei O- oder X-Beinen)

 

Stufe 4 der Arthrosetherapie

Eine stärkere Abweichung der Kniegelenkachse kann angeboren oder erworben sein.
Ein angeborenes X- oder O-Bein kann durch einseitige Belastung eines Kniegelenkabschnittes zu dessen Abnützung, Meniskusverschleiß und Knorpelschaden führen.
In solchen Fällen - die Patienten sind meist noch jung - sollte bei Auftreten von Beschwerden neben der arthroskopischen Gelenksanierung auch eine Achsenkorrektur durchgeführt werden, um einen stärkeren Verschleiß dieses Gelenkabschnittes zu verhindern.
Ein erworbenes X- oder O-Bein entsteht am häufigsten durch eine einseitige stärkere Arthrose eines Kniegelenkabschnittes: Oft ist die O-Beinbildung bei medialer (innenliegender) Arthrose zu beobachten, z. B. nach der früher häufigen totalen Meniskusentfernung.
In diesen Fällen - die Patienten sind meist schon älter - muss eine Achsenkorrektur nur dann durchgeführt werden, wenn eine stärkere Arthrose besteht und eine Gelenktoilette einschließlich Abrasion (siehe Abschnitt Arthrose) nach sechs bis zwölf Monaten nicht zum Erfolg geführt hat.

 

Behandlungsprinzip
Das einseitig auf einen Gelenkabschnitt wirkende Körpergewicht bei X- oder O-Beinarthrose wird durch eine Umstellungsosteotomie gleichmäßig auf beide Kniegelenkabschnitte verteilt oder durch leichte (gewünschte) Überkorrektur mehr auf den gesunden Gelenkteil übertragen. Der nunmehr entlastete Gelenkabschnitt kann, durch arthroskopische Maßnahmen unterstützt, heilen oder zumindest im weiteren Fortschreiten der Arthrose gebremst werden (Vierte Stufe der Arthrosetherapie). Die Umstellung kombinieren wir immer mit einer Arthroskopie. Arthroskopisch wird vor der Umstellung der gesunde Knieanteil beurteilt, ob die Umstellung tatsächlich möglich ist (Röntgen und MRT können doch relativ häufig falsche Angaben liefern - eine Umstellung wäre dann fatal, wenn auch der andere Gelenkteil schwere Schäden hätte). Die Umstellung kann mit einer Abrasion, einer Mosaikplastik oder einer ACI - Chondrocytenimplantation - kombiniert werden.
Die Achsenkorrektur wird durch einen Knochenschnitt am Oberschenkel (X-Bein) oder Unterschenkel (O-Bein) vorgenommen, wobei ein Knochenkeil, entsprechend den Winkelgeraden der gewünschten und vorher genau berechneten Korrektur, entnommen wird.
Die beiden Knochenteile werden in die gewünschte Winkelstellung gebracht (open wedge) oder nach Entnahme des Knochenkeiles (closing wegde) durch eine Osteosynthese (Knochenmontage) mittels einer Platte mit winkelstabilen Schrauben wieder vereinigt.
Diese winkelstabilen Platten haben eine enorme Stabilität und erleichtern die Knochenmontage. Sie ermöglichen eine deutlich schnellere Mobilisation und eine frühere Belastung des operierten Beines.

Nachbehandlung
Bis zur röntgenologisch sichtbaren Knochenheilung (Durchbau) darf das Bein nicht voll belastet werden (zwei Unterarmstützkrücken für vier bis sechs Wochen). Nach etwa einer Woche nach der Operation ist die Teilbelastung mit etwa 30 kg erlaubt.
Es erfolgt auch eine intensive heilgymnastische Behandlung. Nach erfolgtem knöchernen Durchbau kann das Bein wieder voll belastet werden. Die Platte wird bei jüngeren Patienten (oder falls sie stört) nach etwa einem Jahr mittels eines kleinen Eingriffes entfernt. Viele Patienten wünschen aber keine Plattenentfernung, weil sie ihnen überhaupt keine Probleme bereitet.

Arbeitsfähigkeit
Die volle Arbeitsfähigkeit für schwere körperliche Tätigkeiten besteht erst nach vollständiger Knochenvereinigung, in der Regel nach drei Monaten. Büroarbeit ist nach 3-4 Wochen möglich.

Sportfähigkeit
Sportliche Aktivitäten müssen vom Lebensalter, der Ausdehnung des Knorpelschadens bzw. dem Grad der Arthrose und der Muskelleistung abhängig gemacht werden. Bitte unbedingt vorher mit uns besprechen.

Ergebnisse
Die angestrebte Achsenkorrektur kann in über 95 Prozent der Fälle erreicht werden. 
Bei einigen Patienten kann es zu einem Korrekturverlust durch Knochenabbau kommen.
Die weitere Prognose des Kniegelenkes ist sehr stark vom Ausmaß der Kniebinnenschäden abhängig (siehe Ergebnisse in den Abschnitten Knorpelschäden und Arthrose).

Komplikationen
Bei jeder Operation am Knochen kann es theoretisch zu einer Knocheneiterung kommen, wenngleich sie äußerst selten auftritt. Glücklicherweise ist bei unseren Patienten bisher kein Fall aufgetreten.
In etwa 2 bis 3 Prozent der Fälle kann eine Knochenheilung (Knochendurchbau) ausbleiben, so dass eine neuerliche Osteosynthese (Knochenmontage) nach "Anfrischen" der Osteotomie durchgeführt werden muss.
Bei einigen Patienten kommt es infolge von Knochensinterung zu einem Korrekturverlust, der, wenn er ein bestimmtes Ausmaß nicht überschreitet, toleriert werden kann. Bei einem größeren Korrekturverlust muss eine nochmalige Operation vorgenommen werden. 
Durch die neuen winkelstabilen Platten sind die beiden letztgenannten Komplikationen sehr selten geworden.

Links: Vor der Operation bestand ein O-Bein mit Verschmälerung des innenseitigen Gelenkspaltes (Pfeile).
Rechts: Durch die Umstellungsosteotomie besteht ein gewolltes leichtes X-Bein.
Knochenmontage (Osteosynthese) mit einer Platte und zwei Schrauben.
Der innere Gelenkspalt ist deutlich weiter (Pfeile).
Das kranke (innere) Areal ist entlastet.
Das gesunde (äußere) Areal ist belastet.

Ein X-Bein wird aus mechanischen Gründen am Oberschenkel korrigiert. Das Prinzip ist das Gleiche.

Links: X-Bein
Rechts: Nach der Umstellung normale Beinachse.

Umstellung mit modernster OP-Technik: Winkelstabiler Fixateur interne.


Umstellung am Oberschenkel wegen massivem X-Bein: Der Knochen wird durchtrennt und in seiner Stellung korrigiert. Durch dieses "Aufklappen " entsteht der Korrekturkeil (schwarze Linien). Der Körper füllt diesen Spalt in wenigen Wochen mit vollwertigem Knochen auf. Die Platte (Tomofix) wird winkelstabil befestigt und liegt absichtlich dem Knochen nicht ganz an. Damit wird die Durchblutung verbessert und der Knochenschnitt kann schneller heilen. 
Das Bein ist nun gerade (rote Linie).