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Arthrose

(Gelenkabnützung, Gelenkdeformierung)

Wird aufgrund degenerativer Knorpelabbauvorgänge der Gelenkknorpelbelag so weit geschädigt, dass die natürlichen Anpassungs- und Reparationsmechanismen erschöpft sind, kommt es zu einer Dekompensation (Verfall) des ganzen Gelenkes.
Es fällt immer mehr Knorpelabrieb an, und bald zeigt sich blanker Knochen ohne irgendeinen Knorpelbelag ("Moon" - Mondlandschaft). In der Folge kommt es dann auch zum Knochenabrieb.
Als Abwehrmaßnahmen versucht nun das Gelenk, die verlorene oder sogar zerstörte Fläche der Druckaufnahme durch Knochenanbau wieder zu vergrößeren (durch Osteophyten - Spornbildungen).
Diese Osteophyten werden ihrer "Aufgabe" meist nicht gerecht, im Gegenteil, sie stören die Biomechanik des Gelenkes nur noch weiter.
Abhängig vom Schweregrad ist die Arthrose vor allem durch herabgesetzte Belastbarkeit, Schmerzen bei Belastung und Ruhe, hitzende Schwellungen und Gelenkseinsteifung gekennzeichnet.
Typisch ist auch der starke Wechsel im Erscheinungsbild der Beschwerden: Phasen mit relativer Beschwerdefreiheit wechseln mit entzündlichen Schüben ab (aktivierte Arthrose).
Die Ursachen der Arthrose sind äußerst mannigfaltig:
Familiäre Anlage, Übergewicht, dauernde Überbeanspruchung, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Fehlstellungen von Fuß- und Beinachse, rheumatische und andere entzündliche Krankheiten, Unfälle, die das Gelenk in Mitleidenschaft gezogen haben, hormonelle sowie noch unbekannte Faktoren sind zu erwähnen.

Behandlungsprinzip

Die Arthrosebehandlung ist am Anfang eine Knorpelbehandlung.

Stufe I

Die Stufe I beeinhaltet alle Maßnahmen, die nicht invasiv sind, also nicht in die intakte Haut eindringen und auch nicht weh tun.

  • Physikalische Therapie: Ultraschall, Iontophorese, Stereodynator, Laserbestrahlung, Massage.
  • Physiotherapie: Heilgymnastik, Dehnungsübungen, Kokontraktion, Isometrie.
  • Chondroprotektiva: Nahrungsergänzungsmittel die Glucosamin und Chonroitinsulfat in reichlicher Dosierung enthalten wie zB Remobil. Diese Bestandteile werden in den Gelenkknorpel eingebaut und verbessern seine Gleiteigenschaften.
  • Bandagen: Sie können durch direkten Druck auf das kranke Gelenk etwas Stabilität bringen aber vor allem durch eine Stimulation der Hautrezeptoren die Muskelvorspannung erhöhen. Nicht zu unterschätzen ist die Wärme, die eine Bandage gibt. All das reduziert Schmerzen und steigert die Funktion.
  • Schuheinlagen: Spezielle biomechanische Einlagen normalisieren die Fußbelastung und damit auch die Krafteinleitung in Gelenke wie Sprunggelenk, Knie, Hüfte und Wirbelsäule.

Alle diese Maßnahmen sollen Entzündungen und Reizzustände aus dem Gelenk heraus nehmen und eine normale Gleitaktion wieder ermöglichen.

Stufe II

  • Zusätzlich Gabe von Hyaluronsäure-Injektionen ins erkrankte Gelenk. Hyaluronsäure schmiert das Gelenk und ist ebenso natürlicher Bestandteil des Gelenkknorpels. 5 Injektionen im Abstand von einer Woche sind notwendig. Manche Studien sprechen von echter Knorpelrepararur. Anfangs ist es manchmal durchaus nötig, vorher anti-entzündliche Injektionen (Cortison, Xyloneural) zu verabreichen.


Stufe III

Haben die vielfältigen Möglichkeiten der konservativen Stufentherapie nicht zum erwünschten Erfolg geführt, so wird die arthroskopische Gelenktoilette (Stufe III) durchgeführt.

Ab dieser Stufe wird aus der Arthrosetherapie auch eine Behandlung des Knochens unter dem Knorpel.

Wie bei der Therapie von Knorpelschäden besteht auch bei der Arthrosebehandlung das Ziel darin, eine Reizverminderung (Entzündungshemmung) im Gelenk zu schaffen und Reparationsvorgänge anzuregen.
Reizvermindernd und entzündungshemmend wirkt auch die Entfernung von gerissenen Meniskusteilen, abgestorbenen Gelenkknorpelstücken, Knorpelabriebmaterial und entzündeten Gelenkschleimhautanteilen (Teilsynovektomie). Das Abtragen überschießend angebauter Knochenleisten und Knochensporne (Osteophyten) vermindert die Reibung.

Ziel der arthroskopischen Arthrosetherapie und auch der Umstellungsosteotomie ist es, das Einsetzen des "ungeliebten" künstlichen Gelenkes durch Erhaltung des eigenen Kniegelenkes zu vermeiden oder zumindest soweit wie möglich hinauszuschieben.
Körpereigene Reparationsvorgänge können durch die sogenannte Abrasion stimuliert werden. Die Abrasion ist eine Auffräsung des knorpellosen freiliegenden Knochens ("Mondlandschaft").
Aufgefräst wird nur die oberste abgestorbene Grenzlamelle (etwa 2 mm), um Blutgefäße freizulegen. Die Stabilität und Tragkraft des Gelenkes werden dabei nicht vermindert. Durch Freilegen der Blutgefäße wird das Wachstum eines Ersatzknorpels angeregt.
Das Wachstum dieses Knorpels beträgt ungefähr zwei bis drei Monate, ein vollständiges Aushärten und Ausreifen dauert jedoch etwa ein Jahr, danach ist der Ersatzknorpel einigermaßen in der Lage, Eigenschaften und Funktionen des natürlichen Gelenksknorpels zu übernehmen. Er bleibt allerdings Ersatzknorpel (Faserknorpel), nicht hyaliner Knorpel. Meist gelingt die Umwandlung zum hyalinen oder zumindest hyalinähnlichen Knorpel nicht, so dass der Ersatzknorpel einer mehr oder weniger schnellen Abnützung zum Opfer fällt.

 

Arthroskopische Arthrosetherapie am Beispiel des Kniegelenkes: Die abgestorbene, freiliegende Knochenschicht wird durch die Abrasion abgetragen, um körpereigene Wiederherstellungsvorgänge anzuregen.

Die Gelenktoilette und die Abrasion können am Knie, an der Schulter, am Sprunggelenk, am Ellbogen, am Handgelenk und auch an der Hüfte durchgeführt werden.

Am häufigsten wird diese Behandlung am Knie angeboten.

Nachbehandlung am Beispiel des Kniegelenkes.

1. Gelenktoilette (Reinigung und Gleitflächenglättung) ohne Abrasion:
Unmittelbar postoperativ erfolgen abschwellende Maßnahmen, Heilgymnastik zur Steigerung der Muskelkraft und passive Bewegung und Streckung des Beines auf der motorisierten Kniebewegungsschiene (CPM). Gehen ab dem Operationstag, Schonung für vier bis sechs Wochen.
2. Gelenktoilette mit Abrasion:
Diese Therapie verlangt eine konsequente Entlastung des operierten Kniegelenkes für sechs Wochen (zwei Unterarmstützkrücken) und Teilbelastung für einen weiteren Monat (eine Unterarmstützkrücke). Die Devise für die Abrasion ist also: Bewegen (Stimulation des Wachstums des Ersatzknorpels), aber nicht belasten, denn ein zu früher Druck auf die abradierte Knorpelfläche würde den Ersatzknorpel zerstören. Die postoperative Heilgymnastik muss daher vorsichtig und unter Vermeidung von Schmerzen und Schwellungen durchgeführt werden. Zumeist kann eine schnelle Heilung nicht erwartet werden, der Heilungsverlauf beträgt je nach Ausdehnung der Abrasion sechs Monate bis ein Jahr.

Sollte eine stärkere Achsenabweichung im Sinne eines O- oder X-Beines vorliegen, kann bei Weiterbestehen der Beschwerden eine Achsenkorrektur notwendig werden (siehe Abschnitt Knie/Umstellungsosteotomie).

Achsenumstellungen sind sinnvoll am Knie, am Sprunggelenk und an der Hüfte.

Arbeitsfähigkeit
Bei Bürotätigkeit muss mit einer Krankenstanddauer von etwa drei Wochen gerechnet werden, vorausgesetzt, dass der Patient mit zwei Unterarmstützkrücken seiner Arbeit nachgehen kann.
Je nachdem, ob eine Gelenktoilette mit oder ohne Abrasion durchgeführt wurde, kann schwere körperliche Arbeit, wenn überhaupt, erst nach sechs Monaten bis zu einem Jahr ins Auge gefasst werden.

Sportfähigkeit
Schwimmen und Radfahren können in der Regel schon nach zwei bis drei Monaten in Angriff genommen werden.
Andere Sportarten müssen unbedingt vorher mit uns besprochen werden. Notwendig ist eine einwandfreie Muskelfunktion.

Ergebnisse
Gemessen an der oft tristen Ausgangssituation, können mit der Abrasionsarthroplastik (so der volle Name dieser Operation) erstaunliche Ergebnisse erzielt werden. Etwa ein Jahr nach der Operation gaben 80 Prozent der Patienten eine deutliche Schmerzerleichterung an und eine Zunahme ihrer persönlichen Gehstrecke auf das Dreifache.
Der Anteil der Patienten, die eine nachträgliche Achsenkorrektur des Kniegelenkes (Umstellungsosteotomie) benötigen, liegt bei 10 Prozent.

Anmerkung
Die Abrasionsarthroplastik ist seit der Einführung der unten beschriebenen neuen Methoden zur Reparatur von Knorpelschäden und Arthrose etwas in Ungnade gefallen - meiner Meinung nach zu Unrecht. Richtig ist, dass sie nur Ersatzknorpel erzeugen kann, der sich frühzeitig wieder abnützen kann - aber eben nicht muss! Immer wieder sehen wir erstaunliche Langzeiterfolge mit dieser Operationsmethode. Außerdem fehlen bei den neuen Methoden echte Langzeiterfahrungen und sie sind nicht für jedermann erschwinglich.

 

Die Nachbehandlung an der Schulter, Ellbogen und Handgelenk besteht einfach aus Heilgymnastik und Schonung für 6 Wochen. Sprunggelenk und Hüfte werden ähnlich dem Kniegelenk nachbehandelt.

 

Neue Methoden der operativen Arthrosetherapie, Therapie von Knorpeldefekten

Entwickelt wurden diese Methoden, um anfangs kleine, aber die gesamte Knorpeldicke umfassende Defekte (zum Beispiel nach Unfällen) wie mit einem Pflaster verschließen zu können. Dabei handelte es sich um junge Patienten mit sonst vollkommen gesunden Kniegelenken. Durch die Knorpelheilung trachtete man eine spätere Arthrose (Abnützung) zu vermeiden. Nachdem sich bald gute bis ausgezeichnete Erfolgte einstellten, wagte man sich an immer größere Defekte bzw. später auch an abgenützte Kniegelenke (Arthrose).
Mittlerweile ist aber bezüglich der Heilung großer Defekte und besonders der Arthrose Ernüchterung eingekehrt. Arthrose ist leider auch durch diese Methoden nach wie vor nicht heilbar.

Diese Methoden werden hauptsächlich am Knie, aber auch am Sprunggelenk und an der Hüfte angewendet.

Lesen Sie bitte weiter im Kapitel "Knie/Gelenkabnützung".

 

Beispiel einer erfolgreichen Knorpelwiederherstellung: Vollständiger Knorpeldefekt am Kniescheibengleitlager.

 

 

Nach Deckung mit gezüchtetem Knorpel ist der Defekt vollkommen aufgefüllt und der Patient schmerzfrei und voll sportfähig.